03. September 2010
FABIAN LANG - INTERVIEW
Fabian drängt sich als Person nicht ins Rampenlicht, aber genau da gehört er unserer Meinung nach aktuell hin, denn sowohl menschlich als auch skatetechnisch ist er einer der Deutschen, die gerade richtig steil gehen. Deswegen haben wir etwas nachgeholfen und mal gefragt, wer der bayerische Bursche eigentlich ist, wo er herkommt und wie die Stimmung in unserer süddeutschen Metropole ist. Mit seiner sympathisch-urigen Art und mit tiefer Stimme hat er uns während eines Tagesausflugs nach Berlin auch über die aktuelle Lage an der Schwanthalerhöhe berichtet. Aber lest selbst …

Interview: Benni Markstein und Sebi Vellrath
Pics: Phil Pham



Fabian, herzlich willkommen zu deinem ersten großen Interview in einem Skatemag! Du hattest vorher noch keins?

Kein ernsthaftes bisher, also das ist das erste Full Length – du fragst mich was und ich antworte …

Genau, so geht das Spiel! Wie alt bist du denn eigentlich?

Ich bin jetzt 20, also schon ziemlich alt geworden. Ich fühl mich eigentlich immer noch voll jung, aber ich merke, dass man doch schon viel Verantwortung bekommt. Man hat seine Schule fertig gemacht und sollte arbeiten gehen, man sollte zukunftsorientierter denken.

Wie sieht’s denn aus bei dir? Du hast gerade Abi gemacht?

Ich hab vor einem halben Jahr mein Fachabi gemacht und seit dem mache ich eigentlich nichts.

Fauler Hund?

Naja, nicht ganz. Ein Jahr darf man sich ja mal vor dem Studium eine Auszeit gönnen und außerdem arbeite ich momentan auf 400 €-Basis in einem Sportgeschäft, komme damit ganz gut klar und genieße die Zeit.

Was willst du denn studieren?

Sport- und Eventmanagement, das wäre so mein Ding. Kann sich bestimmt noch ändern, falls ich einen hammermäßigen Studiengang finden sollte.

Nollie Noseslide mit ordentlich Pop in den Waden

Du kommst aus Freising, nördlich vom Flughafen München, richtig?

Ich bin in Freising geboren und wohne seit momentan zehn Jahren in Marzling, das ist ca. fünf Kilometer von Freising. Mit 3000 Einwohnern ziemlich klein, schön ländlich und gute Luft, es ist wirklich sehr angenehm zum Wohnen. Ab und zu laufen ein paar Kühe vorbei …

Gibt es dort denn auch Jugendliche, die deine Interessen teilen?

Ja, früher, als ich angefangen habe zu skaten. Da hatte ich noch ein paar Jungs, aber das hat sich im Laufe der Zeit erledigt und mittlerweile bin ich der Einzige, der noch dem Skateboarding nachgeht. Die Dorfjugend interessiert sich eher für Fußball und Burschenverein.

Bist du denn eher der anständige Typ, oder hast du in deinem jugendlichen Leichtsinn auch viel Unfug getrieben?

Hehe, ich muss sagen, ich war eigentlich immer anständig. Ich habe keinen Eintrag im Polizeiregister.

Wenigstens im Klassenbuch?

Ja, doch das schon, immer wenn ich durch meinen komischen Humor auf mich aufmerksam gemacht habe.

Nollieflip

Zieht es dich zum Skaten oft nach München?

Geht eigentlich. Ich bin skate-technisch von München jetzt nicht so überzeugt. Da gibt es zwar den Spot (Schwanthalerhöhe, Anm. d. Red.), aber da kann ich nicht immer hingehen und ansonsten ist es fototechnisch schon cool, bin viel mit Phil unterwegs. Aber ich fahre jetzt nicht jedes Wochenende zum skaten nach München. Lieber in Freising in den Park oder in die Halle.

Es gibt eine Halle in Freising?

Ja, wir haben mittlerweile fast sogar die einzige Halle in der Umgebung von München. Die nächste Halle wäre in Straubing, aber die ist 130 km entfernt, Freising nur 40 km. Deswegen sind im Winter alle in Freising und außerdem haben wir jetzt einen kleinen Skateplaza bekommen, sind also komplett ausgestattet. Ich müsste nirgends wo anders hinfahren.

Skateplaza hört sich gut an …

Ja, den habe ich mir selber bauen lassen. Im Endeffekt war es meine Idee, wir hatten einen alten Skatepark und haben uns so ghettospot-mäßig einen Curb hingestellt und das hat der Stadt überhaupt nicht gepasst. Die wollten mich sogar anzeigen, was ich über einen Jugendarbeiter erfahren habe und dann habe ich da angerufen und denen erstmal unsere Situation dargestellt und erklärt, warum wir das gemacht haben. Daraus ist dann ein Gespräch zwischen der Stadt und der Jugend entstanden.

Und daraufhin sind die aufmerksam geworden, dass in der Gegend Bedürfnisse bei den Skatern bestehen?

Bei uns gibt es mittlerweile eine ziemlich große Skateszene. Das merkt man daran, dass in den letzten Jahren einfach niemand nachgekommen ist, ich war so die letzte Generation. Doch jetzt gibt es richtig viele kleine Skater, der Park und die Halle sind immer bombenvoll. Da hat die Stadt auch gesehen, dass es Sinn macht, etwas für die Leute zu bauen. Die Skater hatten bisher immer einen schlechten Ruf. Einmal ist ein Häuschen neben dem Skatepark abgebrannt, da hieß es auch direkt, die Skater machen alles kaputt. Dabei sind wir die Letzten, die etwas kaputt machen und räumen sogar unseren Müll weg.

Kommen wir mal auf das Thema München zurück. In letzter Zeit sind ja Berlin, Köln und Hamburg öfters präsent als München. Was geht in München?

In München geht eigentlich viel, doch es hält sich im Vergleich zu Berlin oder auch Stuttgart eher zurück, weiß nicht, ob das so ein München-typisches Ding ist. Es gibt ja Leute wie Kilian, Lehnert, Achmüller …

Ok, die Leute kennt man ja. Aber wie ist denn die Stimmung unter den Skatern in München?

Das ist etwas, was mir nicht so gut gefällt an München. Du kommst irgendwo hin und es ist nicht so: „Geil, wie geht’s dir?“, sondern du wirst eher angeguckt und dann heißt es, „das passt nicht, das passt nicht und du läufst dem und dem Style hinterher …“ und das gefällt mir eben nicht so. Ich gehe hin und will einfach nur skaten und nicht irgendwie dumm angeguckt werden. Deswegen bin ich eigentlich nicht so viel in München unterwegs, obwohl es wahrscheinlich genauso rüberkommt, wenn ich sage, dass ich nur mit meinen Leuten skaten gehe. Ich will einfach ein gutes Gefühl dabei haben.

Wodurch kommt das denn? Ist es die bayerische Mentalität, jedem nicht sofort offenherzig gegenüber zu stehen?

Bayerische Mentalität wäre eigentlich genau offenherzig, deswegen ist es irgendwie kontrovers, ich finde es passt nicht so richtig. Zum Oktoberfest feiern alle schön zusammen, aber skaten kann man in München nicht so gut zusammen. Es klingt jetzt so, als würde ich voll rumhaten über München, aber das ist einfach meine Meinung.

United Skateboard Artists kommen auch aus München, oder?

Ja genau. Das sind dann so meine Jungs, die United Skateboard Artists und die Goodstuff Leute aus dem Shop. Mit denen hänge ich ab, die haben mich eigentlich auch groß gemacht. Ich fahre bereits seit sieben Jahren für die USBAs. Die haben mich überall mit hingenommen, Phil hat mit mir die ersten Fotos gemacht und Bernhard hat mir auch sehr geholfen …

Mittlerweile fährst du ja für DC, früher bist du für Lakai gefahren. Wie kam es dazu?

Ich war früher im Lakai Flow Team und Ende 2008 zur Weltwirtschaftskrise, die Skateboarding ja auch voll erwischt hat, wurde das Team zurechtgeschrumpft und da ich nur im Flow Team war, war ich natürlich einer der ersten, der weggestrichen wurde. Für mich ist das aber nicht negativ, weil ich dadurch bei DC reingerutscht bin. Bernhard hat bei Ingo (Bremmes) und Stefan (Lehnert) angerufen und hat mir das dann klar gemacht. Stefan ist ja auch aus München …

... da kann man auch mal schön ein Weißbier zusammen trinken!

Genau! Ich finde DC passt halt einfach, ich kann mich da voll mit identifizieren, mochte das Team früher schon endgerne, mit Wenning, Stevie Williams oder auch Ryan Gallant. Deswegen hat das einfach super gepasst.

Nun mal zu deinem Skaten: Du hast einen super krassen Nollie Pop. Warum?

Weil ich Fußball gespielt habe, glaube ich. Ich hab die fetten Sportlerwaden, da kommt der Pop her! Als ich angefangen habe zu skaten, konnte ich manche Switch-Tricks schon immer besser als normal.

Gab es nicht sogar mal einen Nollie von dir über eine Parkbank?

Ja, der war bei mir im Part. Da war ich selber schon ein bisschen geschockt, auch als ich das Foto gesehen habe. Da war echt noch ein Stückchen Platz dazwischen. Da ist mir so richtig bewusst geworden, was ich eigentlich für einen Nollie-Pop habe. Vielleicht kommt das auch vom Eistee trinken...

Nosegrind of death

Das komplette Interview findest du in der neuen PLACE 20.


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