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03. September 2010
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Norbert Szombati - Interview
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Wie gut Norbert Szombati gerade Skateboard fährt, merkt man nicht nur
beim Anblick dieses Interviews. Es würde ein Blick auf all die Fotos
reichen, die Norbert in den letzten Wochen produziert hat. Von denen
sucht er sich nämlich, während ich diese Zeilen tippe, die besten heraus –
das ist wahrer Luxus.

Interview: Holger von Krosigk
Fotos: Christoph Maderer
Norbert, wir sitzen gerade im Büro und schwitzen. Was
bringt der Sommer 2008 für dich?
Das Übliche eigentlich, skaten, Contests, Fotos, Filmen. Ja, und
ein Umzug nach Köln steht auf dem Programm, das ist wohl
Anfang Juli.
Erzähl doch mal, was du da machst?
Ich fange hier bei fine lines Marketing (die Red.: also eine Tür
weiter) als Praktikant an. Danach mal schauen, vielleicht dort
noch etwas anderes oder vielleicht auch ein Studium. Aber erst
mal komme ich jedenfalls nach Köln.
Wie ist das für dich als Pforzheim Original, eine große
Umstellung? Stadtleben vs. Landleben?
Ja, das wird auf jeden Fall anders werden, das ist klar. Vor allem
freue ich mich drauf, endlich weniger Auto zu fahren. Ich bin es
gewöhnt, wirklich jeden Tag Auto zu fahren. Morgens zum Zivi,
abends wieder zurück, dann zum Skaten irgendwohin, meistens
auch eine halbe Stunde. Und am Wochenende natürlich dasselbe
wieder. In Köln heißt es dann erst mal Auto verkaufen und eher
mal ein Fahrrad zulegen! Kurze Wege, darauf freue ich mich.
Wo bist du denn aufgewachsen? Auch in Pforzheim?
Naja, die ersten zwei Jahre war ich in Rumänien, wo ich
geboren bin. Dann bin ich mit meinen Eltern nach Pforzheim
gezogen.
Also hast du wohl keine Erinnerungen mehr an Rumän-
ien. Warst du seither mal dort?
Ja, ich war mit meinen Eltern da, meine Oma besuchen. Das ist
total auf dem Land, aber wirklich krass. Der Ort hat vielleicht
... so 500 Einwohner, total im Nichts. Die nächste Stadt ist eine
ganze Stunde entfernt.
Also wäre ein Norbert Szombati in Rumänien wohl nie
Skateboard gefahren, kann das sein?
Definitiv nicht.
Es ist ja auch interessant zu sehen, wie viele gute Skater
in Deutschland einen Migrationshintergrund haben.
Lem aus Thailand, Welther auch aus Rumänien, Alex
Mizurov aus Kasachstan, dann du ...
Ja, das ist glaube ich einfach so hierzulande, das ist wahrschein-
lich der normale Anteil in Deutschland.

Fs Nosegrind
Wo wir von Skatern sprechen, wer pusht dich denn so in
Deutschland?
Ja, auf jeden Fall Lem! Der ist so unglaublich gut, einfach alles
was er macht sieht so gut aus. Auch wenn er harte Tricks pro-
biert, an echt krassen Spots, sieht es so aus, als könnte er sich
einfach nicht verletzen – immer total kontrolliert. Und er lernt
auch so schnell neue Tricks. Neuerdings ist er so ein bisschen
öfters Miniramp gefahren. Jetzt lernt er da einfach mal auf die
Schnelle neue Tricks und am nächsten Tag ist er schon so weit,
dass er ihn filmen kann – krass.
Erzähl doch mal was über dein Lieblingsthema: Contests.
Ja, ich bin nicht so wirklich das Contest-Talent. Aber das hängt
natürlich auch immer vom Contest ab. In Weil am Rhein hat
es ja mal geklappt. Aber es hängt immer davon ab, wie ich da
skaten kann. Sobald viel los ist, ist es aus. Ich kann einfach
nicht snaken.
Warum nicht, zu nett?
Ja, wenn da Stress ist, musst du fünf Minuten auf deinen Trick
warten. Wenn du ständig warten musst, bis du fahren kannst,
kommst du nicht in Fluss und dann heißt das bei mir „stay-on
bail“! Aber wenn nicht so viele Leute da sind, dann ist das okay.
Es ist eigentlich gar nicht mal die Aufregung, beim Filmen ist das
ja auch so. Wenn man im Fluss ist, dann läuft es einfach. Dann
geht alles.
Wie viel Fluss hat Norbert Szombati im Nachtleben?
Ja, ich bin schon öfters mal dabei, aber ich bin nicht so einer,
der jeden Tag Party machen muss.
Nur jeden zweiten?
Vielleicht ein oder zwei Mal in der Woche, das geht. Ich bin
leider auch der Typ, der abends immer total viel Geld ausgibt.
Und dann kommt am nächsten Tag immer der Schock, wenn
ich in meinen Geldbeutel gucke.
Andere Leute verdienen auf Parties Geld.
Ja, da gibt’s hier auch ein paar. Die sammeln Flaschen ein und
klauen Pfandmarken. Da kenn ich echt welche. Die ziehen sich
die Marken an der Bar, die klauen ne ganze Rolle. Dann laufen
sie durch den Club und holen die Flaschen. Krasse Taktik.
Was geht sonst in eurer Gegend, abgesehen von Pfandklau?
Eigentlich ist das eine super Szene. Karlsruhe, Stuttgart eh ...
Pforzheim liegt genau dazwischen, du bist eigentlich über-
all in einer halben Stunde. Gut ist daran vor allem, dass wir
verdammt viele Filmer und Fotografen haben. Wenn du einen
Trick filmen willst, dann ist da Flo (Geyer), Torsten (Frank),
Jascha (Muller) und noch ein paar weniger bekannte.
Wie stehst du zu Amerika? Würdest du gerne mal rüber
oder lieber Europa?
Ja, will ich auf jeden Fall mal hin, vielleicht in die Gegend um
LA. Das Land und die Kultur interessieren mich einfach. Das
Level muss auch krass sein, nicht nur bei den Pros auch bei
den Amateuren. Aber Alex meint immer nur: „Die können nicht
skaten, die können nicht skaten! Die können nur irgendwo
draufspringen!“
In Deutschland ist es umgekehrt, alle können skaten aber
man springt eher nicht auf die harten Spots, oder?
Ja, so ungefähr. Amateure haben es dort glaube ich echt hart
und verdienen auch ziemlich wenig. Von daher ist es hier auf
dem Level wahrscheinlich noch einfacher.
Aber aufpassen, In den USA muss man im Zweifelsfall
noch mehr Auto fahren als in Pforzheim.
Ja, ich weiß!

Backside 180° fakie Nosegrind revert
Wie lange kennst du den Alex eigentlich schon?
Ich kenne ihn eigentlich schon von ganz früher von so einem
Contest, da hat er gerade angefangen zu skaten. Da war ich vielleicht 14 oder 15. Im Prinzip kenne ich ihn also schon länger,
aber ich würde sagen, wir skaten seit etwa zwei Jahren mitein-
ander. Seit dem Contest in Hof. Da sind wir dann zusammen
nach Hause gefahren und seither gehen wir oft zusammen los.
Wie schnell hat er sich eigentlich als Skater entwickelt, war
er schon früher so gut?
Ja, er war schon ziemlich lange so gut, aber das haben die Leute
nicht so mitbekommen. Erst als dann das Game of Skate und
die Europameisterschaft kam, haben es dann alle gecheckt.
Wann ist bei dir der Knoten geplatzt? Wann hast du den
größten „Sprung“ in deinem Skaten gemacht?
Das war als ich mit Flo fürs hello21 gefilmt habe. Torsten
meinte, filmt einfach und irgendwann ist ein ganzer Part dabei
rausgekommen. Das hat mich dann noch mal richtig gepusht.
Und wie findest du den Part aus heutiger Sicht?
Der ist ziemlich einseitig, das hat mir schon damals nicht so
gefallen. Da waren super viele Handrailtricks drin, obwohl ich
normalerweise nicht soo oft Handrail fahre. Da haben mich
viele Leute auch gleich für einen Handrail-Mosher gehalten,
auch wenn ich das absolut nicht bin. Ich fahre schon gerne
Handrails, aber eben nicht so oft.
Bevor wir deine Tricks aus dem Interview durchgehen,
erzähl doch mal ein bisschen von den Sachen, die bei dir
nicht geklappt haben. Was war mit Flip Backtail am 9er
Handrail?
Ja, das war ein bisschen schade. War auch echt ein harter Trick.
Ich glaube schon, dass der gehen würde, aber den darf ich mir
nicht vornehmen. Wenn du dir einen Trick vornimmst, dann
gehst du verkrampft ran und hast den Trick an dem Tag vielleicht
gar nicht auf dem Fuß. Spontan läuft das irgendwie besser.

Nollie Inside Heelflip
Dann kommen wir mal zu denen, die geklappt haben.
Stichwort: Nosegrind ...
Ja, das war schon kein leichtes Rail. Auf dem Playboard Cover
sah das eigentlich noch ganz gut aus, humaner auf jeden Fall.
Ich hatte mich voll auf das Rail gefreut – cool, mal ein schönes
9er Rail, das nicht so kurz ist. Dann komm ich da an und dann
ist das echt ne dicke Kiste. Der Boden war dann auch nicht so
cool, meine Hände haben auch immer noch Spuren (Norbert
zeigt seine aufgeschürften Hände). Ich hab echt abgekotzt: Die
Anfahrt war in einem Gang, dann zog da so ein Wind durch,
ich musste auf dem Bordstein anrennen, noch mal pushen. Ich
bin super oft angefahren weil immer irgendwas nicht gestimmt
hat. Irgendwann hat es „klack“ gemacht und dann wusste ich
schon davor, dass er jetzt kommt.
Bist du anfällig, was Boden angeht?
Bei Stufen und Rails definitiv. Aber ansonsten geht das, da habe
ich nicht den höchsten Anspruch an den Boden. Bei Handrails
hat man den Crack immer im Hinterkopf, auch wenn er gar
nicht stören würde. Er stört nur, weil er im Kopf ist.
Weiter geht’s, Nollie Inward Heeler.
Das war der selbe Tag und ich wollte gar nicht mehr skaten,
aber Christoph (Maderer) hat mich verleitet. Mieser Boden,
total hungrig und ich wollte den Trick noch mal hinschlen-
zen. Dann war der Boden scheiße, mein Board kaputt und ich
dachte nur, okay, jetzt muss er klappen.
Was haben wir noch im Programm? Switch Heel Backtail.
Das war echt nicht so eine große Story. Ich hatte den Trick ja
schon oft gemacht. Im Winter sind wir oft in der Halle gefahren
und da kann ich den am Curb eigentlich in jedem Versuch...
... sliden meinst du?.
Nein, stehen! Ernsthaft, ich stehe den eigentlich immer, mind-
estens jeden zweiten. Also ist der Trick nicht so hart für mich.
Ich stehe ihn einfach oft. Und wenn man dann mal mit dem
Spot klarkommt, dann geht der auch woanders.

Switch Heel Backtail
Welche Halle? Deine Trainierhalle?
Nein, das ist einfach im Winter ein guter Spot. Es ist nicht so
kalt, perfektes Flat aus Holz, zwei Banks und ein Curb in der
Mitte. Wenn man im Winter fährt, muss man also nicht Hip
fahren, sondern kann einfach Flat und Curb skaten.-
Nächster Trick im Programm?
Bs 180° fakie Nosegrind Revert ...
Ja, das ist ein hammer Spot! Da gibt’s diese Bank an der ich
den Trick mache einfach mal auf 200m Länge überall und auf
beiden Seiten. Ein Traumspot. Der Boden ist okay, also echt
ein guter Spot. Ich wollte dann auch einen Trick an der Bank
machen und bin irgendwie draufgekommen. Hat nicht lange
gedauert, halbe Stunde.
Heute ebenfalls frisch im Angebot: Frontside Bluntslide Flip out.
Das war eine spontane Sache. Einfach in Karlsruhe nicht
gewusst, was wir machen sollten, Daniel war mit der Cam da
und wir dachten uns, okay, wir schießen eine Curbsequenz.
Also ging der Trick schnell?
Ne! Gar nicht! Der hätte schnell gehen können, eigentlich
müssen, aber wenn man nicht drauf geht, geht man nicht drauf.
Wenn man so was schießt, kommen immer so Phasen, wo der
Trick gar nicht geht, deshalb hat das so lange gedauert.
Zum Schluss: Suski Grind an der Hubba in Karlsruhe.
Ja, das war eigentlich der Trick, den ich von allen am Längsten
vorhatte. Nicht ganz leicht an der Ledge, der Boden ist nicht
so gut. Alex und ich hatten aber Platten besorgt, also war das
schon mal okay. Die Ledge ist allerdings hoch, dazu ist die An-
fahrt auf Platten auch nicht so gut – aber schon mal besser als
ohne Platten. Und dann ist ja da diese Lampe. Die stört auch
schon ganz schön! Man kann zum Beispiel keine Tailslides
machen. Aber das Gute ist, die Lampe ist nicht mehr da. Man
kann sie nämlich jetzt abmachen – weil ich sie abgetreten habe!
Haha. Ich habe einfach den Trick gebailt und das Board weggetreten, dann wollte ich von der Ledge abspringen, aber habe die
Lampe getroffen. Die Dübel sind rausgeflogen und jetzt kannst
du sie dranstecken und wieder wegnehmen. Sie hängt einfach
so am Kabel. Aber sie funktioniert noch. (Anmerkung der Red.:
Nach reiflicher Überlegung hat Norbert entschieden, doch den
Hurricane Grind zu nehmen - checkt die DvD für den Suski)
Norbert, danke für dieses Interview (und für das Wegtreten
dieser bescheuerten Lampe in Karlsruhe).

Fs Hurricane
Von welchem Part Norbert in diesem Interview spricht? Holt euch die PLACE 003 DVD und ihr wisst es.
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